Allergologie in Nürnberg
Allergische Erkrankungen der Atemwege gehören zu den häufigsten Gründen für eine HNO-ärztliche Vorstellung. In der Praxisgemeinschaft Kopfsache werden Allergien in der Nürnberger Innenstadt abgeklärt und behandelt – von der Hauttestung über die Blutdiagnostik im eigenen Labor bis zur spezifischen Immuntherapie. Die allergologische Sprechstunde führen Dr. Barhoum und Dr. Brügel, beide mit der Zusatzbezeichnung Allergologie.
Was ist eine Allergie?
Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf einen eigentlich harmlosen Naturstoff – das Allergen.
Das Allergen
Das Allergen ist nicht die Birke – das ist die Allergenquelle. Es ist auch nicht die Polle – die ist nur der Träger, der das Allergen heranbringt. Das Allergen selbst ist ein einzelnes Eiweiß in der Polle. Bei der Katze ist es nicht das Tier und nicht das Haar, sondern ein bestimmtes Eiweiß, das die Katze über Speichel und Hautschuppen verteilt und das die Bezeichnung Fel d 1 trägt.
Das Immunsystem
Das Immunsystem prüft fortlaufend Eiweiße und ordnet sie ein: körpereigen oder körperfremd, gefährlich oder harmlos. Diese Unterscheidung ist seine eigentliche Aufgabe – und sie entscheidet darüber, ob ein Eiweiß toleriert oder bekämpft wird.
Bei einer Allergie unterläuft dem Immunsystem an dieser Stelle eine Fehlinterpretation. Es hält ein harmloses Umwelteiweiß für einen gefährlichen Parasiten und bildet Abwehrstoffe, die eigentlich gegen Würmer gerichtet sind – sogenannte Immunglobuline. Diese beladen die Mastzellen des Gewebes und versetzen sie in Bereitschaft.
Kommt es erneut zum Kontakt mit dem Allergen, zünden die Mastzellen: Sie setzen Histamin und weitere Botenstoffe frei. Histamin lässt die Nase laufen, reizt die Augen und führt zu Rötung und Schwellung der Schleimhäute. Was als Schutzreaktion gegen Parasiten angelegt ist, trifft hier ins Leere – und wird selbst zur Beschwerde.
Kommt es erneut zum Kontakt mit dem Allergen, zünden die Mastzellen: Sie setzen Histamin und weitere Botenstoffe frei. Histamin lässt die Nase laufen, reizt die Augen und führt zu Rötung und Schwellung der Schleimhäute. Was als Schutzreaktion gegen Parasiten angelegt ist, trifft hier ins Leere – und wird selbst zur Beschwerde.
Die Beschwerden treten dabei immer nur bei unmittelbarem Kontakt mit dem Allergen auf. Solange das auslösende Eiweiß fehlt, bleibt die Reaktion aus – deshalb folgen allergische Beschwerden einem klaren Muster: Sie erscheinen mit der Exposition und klingen ohne sie wieder ab. Bei Pollen zeigt sich das saisonal, bei Tierhaaren oder Hausstaubmilben an die jeweilige Umgebung gebunden.
Eine allergische Sensibilisierung kann sich nur dort entwickeln, wo der Körper mit dem Eiweiß überhaupt in Kontakt kommt. Genau deshalb reagieren wir auf die unscheinbaren, windbestäubten Pflanzen wie Birke, Gräser und Beifuß: Sie geben große Mengen leichter Pollen in die Luft ab, denen wir kaum entgehen. Auffällige Blüten wie die der Kirsche werden dagegen von Insekten bestäubt; ihr Pollen ist schwer und klebrig und gelangt kaum in die Atemluft. Gegen sie könnten wir uns theoretisch ebenso sensibilisieren – es fehlt nur der Kontakt.
Heuschnupfen: typische Beschwerden der allergischen Rhinitis
Der Heuschnupfen ist die häufigste Form der Allergie an den oberen Atemwegen. Fachlich heißt er allergische Rhinitis – eine durch Allergene ausgelöste Entzündung der Schleimhäute. Die Beschwerden entstehen durch das freigesetzte Histamin und betreffen typischerweise drei Bereiche: Nase, Augen und Lunge.
Nase
An der Nase stehen anfallsartiger Niesreiz, eine laufende Nase mit klarem, wässrigem Sekret und eine behinderte Nasenatmung durch die geschwollene Schleimhaut im Vordergrund, oft begleitet von Juckreiz. Anders als beim Erkältungsschnupfen bleibt das Sekret klar, und die Beschwerden halten an, solange der Kontakt zum Allergen besteht. Bei längerem Verlauf lassen Geruchssinn und Druckgefühl an den Nasennebenhöhlen nach.
Auge
Sehr häufig sind die Augen mitbetroffen – als allergische Bindehautentzündung mit Jucken, Brennen, Tränen und geröteten, geschwollenen Lidern. Die Kombination aus Nasen- und Augenbeschwerden ist so charakteristisch, dass sie den Verdacht auf eine Allergie früh nahelegt.
Lunge
An den unteren Atemwegen kann sich ein allergisches Asthma zeigen – mit Husten, Engegefühl in der Brust und Luftnot. Das Konzept des Etagenwechsels ist jedoch überholt. Genetisch handelt es sich um zwei unabhängige Krankheitsbilder: den reinen Heuschnupfen und das Asthma mit Heuschnupfen. Vielen ist das aus dem eigenen Umfeld vertraut – es gibt Familien mit Heuschnupfen und Familien mit Asthma.
Kreuzallergie: warum eine Birkenallergie auch den Apfel betrifft
Das auslösende Eiweiß ist zudem evolutionär sehr alt und über das Pflanzenreich hinweg erhalten geblieben – von den Nadelbäumen bis zu den Blütenpflanzen. Eng verwandte Formen des Birkenallergens kommen daher in den Pollen verwandter Bäume vor und sind sich so ähnlich, dass das Immunsystem sie nicht auseinanderhält. Ein Birkenpollenallergiker hat deshalb meist schon Beschwerden beim Pollenflug der Hasel im Dezember und Januar und der Erle im Februar, lange bevor die Birke selbst blüht.
Dieselben Eiweiße stecken nicht nur in Pollen, sondern auch in den Früchten verwandter Pflanzen – in der Haselnuss ebenso wie im Apfel. Ein großer Teil der Birkenpollenallergiker bekommt daher beim Verzehr eines rohen Apfels ein Jucken oder Kribbeln im Mund. Bei der Birke ist das in der Regel harmlos: Das Eiweiß ist empfindlich und wird von der Magensäure rasch unschädlich gemacht, sodass die Reaktion auf den Mund beschränkt bleibt.
Wie wird eine Allergie festgestellt?
Ein verbreitetes Missverständnis vorweg: Einen Test, der eine Allergie direkt nachweist, gibt es nicht. Weder die Haut- noch die Blutuntersuchung weisen eine Allergie nach – sie zeigen lediglich sogenannte IgE-Antikörper an. Diese Antikörper sind das Zeichen einer Sensibilisierung, lösen für sich genommen aber keine Beschwerden aus und finden sich bei vielen Menschen, die nie allergische Symptome entwickeln.
Das wichtigste Instrument der Diagnose ist deshalb das ärztliche Gespräch. Eine Allergie lässt sich erst dann sicher feststellen, wenn drei Dinge zusammenkommen: der Kontakt mit dem Allergen, dazu passende typische Beschwerden und eine nachgewiesene Sensibilisierung gegen genau dieses Allergen. Erst dieses Zusammenspiel ergibt die Diagnose – ein positiver Test allein nicht.
Hauttest (Prick-Test)
Beim Prick-Test werden Allergenlösungen auf den Unterarm aufgetragen und die Haut darunter leicht angeritzt; eine Quaddel zeigt eine Sensibilisierung an. Verwendet wird dabei ein Auszug aus der Allergenquelle – etwa aus der gesamten Pollenmischung –, nicht das einzelne, reine Allergen. Der Test ist schnell und liefert sofort ein Ergebnis.
Bluttest (spezifisches IgE)
Die Blutuntersuchung misst die spezifischen IgE-Antikörper direkt. Ihr großer Vorteil ist die molekulare Allergiediagnostik: Statt nur die Quelle zu prüfen, lässt sich das einzelne auslösende Eiweiß bestimmen. So zeigt sich, ob jemand auf das eigentliche Hauptallergen reagiert oder nur auf eine breit kreuzreagierende Struktur – eine Unterscheidung, die über die richtige Therapie entscheidet.
Provokationstest
Der Provokationstest bringt das Allergen direkt an die Schleimhaut – nasal oder an der Bindehaut – und prüft, ob daraufhin Beschwerden entstehen. Als einzige Untersuchung simuliert er die tatsächliche Exposition und weist damit die Allergie selbst nach, nicht nur die Sensibilisierung. Bei der Hausstaubmilbe gilt er praktisch als Pflicht.
Manche Menschen reagieren im Prick-Test auf nahezu alle getesteten Allergene, die Haut ist großflächig gerötet. Ursache sind oft sogenannte Profiline – Eiweiße, die in praktisch allen Pollen vorkommen und besonders häufig bei Gräserpollenallergikern erkannt werden. Profiline lösen selbst so gut wie nie Heuschnupfenbeschwerden aus, machen den Hauttest aber unspezifisch und seine Aussage damit unzuverlässig. Genau hier trennt die molekulare Blutdiagnostik echte von scheinbaren Reaktionen. In seltenen Fällen können Profiline beim Verzehr von Gurke oder Melone eine leichte kreuzreaktive Reaktion auslösen – ohne dass je Heuschnupfen bestand.
Wie wird eine Allergie behandelt?
Ob sich eine Allergie entwickelt, wird in den ersten Lebensjahren mitgeprägt. Eine vielfältige mikrobielle Umgebung trainiert das Immunsystem und ist mit einem geringeren Allergierisiko verbunden – der sogenannte Bauernhof-Effekt. Günstig wirken nach heutigem Kenntnisstand der frühe Kontakt zu einer reichhaltigen Umwelt, eine abwechslungsreiche, wenig verarbeitete Ernährung und der Verzicht auf eine übertrieben keimfreie Wohnung. Vermeidbare Antibiotikagaben im Säuglingsalter sollten zurückhaltend eingesetzt werden – medizinisch notwendige Antibiotika gehören selbstverständlich gegeben. Eine Garantie, eine Allergie zu verhindern, gibt es nicht; es handelt sich um beobachtete Zusammenhänge.
Besteht die Allergie bereits, lindert das Meiden des Allergens die Beschwerden. Bei Pollen hilft es, zu den richtigen Zeiten zu lüften – in der Stadt eher morgens, auf dem Land eher abends –, Pollen vor dem Schlafengehen aus den Haaren zu waschen und Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer abzulegen. Bei der Hausstaubmilbe wirken regelmäßiges feuchtes Wischen, milbendichte Bezüge und ein eher kühles, trockenes Schlafzimmer. Vollständig vermeiden lässt sich der Kontakt selten, weshalb dieser Baustein meist mit weiteren kombiniert wird.
Die medikamentöse Therapie ist der mit Abstand wichtigste und am besten belegte Behandlungsstandard. Eine zentrale Rolle spielt das topische Kortison-Nasenspray: Richtig angewendet, hemmt es die allergische Entzündung der Nasenschleimhaut gezielt. Dem verbreiteten Misstrauen gegenüber „Kortison“ wird es nicht gerecht, da es ausschließlich lokal und in sehr niedriger Dosierung wirkt. Ergänzend kommen Antihistaminika als Tablette oder Augentropfen zum Einsatz; welche Kombination sinnvoll ist, richtet sich nach Beschwerdebild und betroffenem Organ.
Die spezifische Immuntherapie, auch Allergenimmuntherapie oder Hyposensibilisierung genannt, ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt: Das Immunsystem wird über etwa drei Jahre kontrolliert an das Allergen gewöhnt, sodass die überschießende Reaktion nachlässt. Sie ist als Spritze unter die Haut oder als Tablette beziehungsweise Tropfen möglich. Eingesetzt wird sie, wenn Allergenmeidung und Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren oder um dem Fortschreiten der Allergie entgegenzuwirken.
Eine übertrieben keimfreie Wohnumgebung kann die Entwicklung des Immunsystems ungünstig beeinflussen, weil ihm der trainierende Kontakt mit harmlosen Mikroben fehlt. Aggressive synthetische Reiniger und Desinfektionssprays gelten zudem als möglicher Reizfaktor für die Atemwegsschleimhäute. Für den Alltag bedeutet das nicht weniger Hygiene, sondern den Verzicht auf unnötig scharfe Mittel und eine bewusste Auswahl der Produkte.
Eindrucksvoll zeigt das der Vergleich zweier nordamerikanischer Gemeinschaften mit nahezu gleicher Herkunft und Lebensweise, aber unterschiedlicher Landwirtschaft: die traditionell wirtschaftenden Amisch und die industriell wirtschaftenden Hutterer. Bei den Amisch traten Asthma und allergische Sensibilisierung um ein Vielfaches seltener auf, und in ihrem Hausstaub fanden sich deutlich höhere Mengen mikrobieller Bestandteile. Der enge, frühe Kontakt zu Tieren und einer mikrobenreichen Umgebung prägt das angeborene Immunsystem offenbar so, dass allergische Überreaktionen seltener entstehen.
Stark verarbeitete Lebensmittel verändern die Zusammensetzung der Darmflora, die eng mit der Steuerung des Immunsystems verbunden ist. Eine abwechslungsreiche, wenig verarbeitete Ernährung mit Gemüse, Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln gilt als günstig für ein ausgewogenes Immunsystem. Belegt ist hier ein Zusammenhang, kein einfacher Ursache-Wirkungs-Mechanismus.
Die spezifische Immuntherapie kann Beschwerden deutlich verringern und den Bedarf an Medikamenten senken; bei der allergischen Rhinitis kann sie zudem dem Fortschreiten der Allergie entgegenwirken. Sie ersetzt die übrigen Bausteine aber nicht von heute auf morgen: Während der etwa dreijährigen Behandlung bleibt die medikamentöse Therapie in der Regel weiter nötig und wird erst nach und nach reduziert. Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn Allergenmeidung und Medikamente allein nicht ausreichen.
Die spezifische Immuntherapie ist auf zwei Wegen möglich. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) wird das Allergen in regelmäßigen Abständen unter die Haut des Oberarms gespritzt – anfangs in steigender, später in gleichbleibender Dosis, üblicherweise in der Praxis unter ärztlicher Aufsicht. Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) nimmt der Patient das Allergen täglich selbst als Tablette oder Tropfen unter die Zunge, in der Regel zu Hause.
Beide Formen sind etablierte und wirksame Verfahren. Sie unterscheiden sich vor allem in der praktischen Handhabung: Die SCIT bindet an regelmäßige Praxistermine, nimmt dem Patienten aber die tägliche Verantwortung ab; die SLIT ist ortsunabhängig und bequem, verlangt jedoch eine konsequente tägliche Einnahme über die gesamten rund drei Jahre. Welcher Weg geeignet ist, hängt vom auslösenden Allergen, vom Alter, von Begleiterkrankungen und von der persönlichen Lebenssituation ab – und wird im ärztlichen Gespräch festgelegt.
Allergologie in erfahrenen Händen
Die allergologische Sprechstunde der Praxisgemeinschaft führen Dr. Fatima Barhoum und Dr. Jacob Brügel, beide mit der Zusatzbezeichnung Allergologie. Von 2016 bis 2023 gehörten sie zur wissenschaftlichen Leitung des Allergologie-Kurses an der Universitätsklinik Erlangen, den sie über acht Jahrgänge organisierten und als Referenten gestalteten, und sie führten dort die Allergiegruppe, in der sie ein eigenes Labor aufbauten und die Diagnostik selbstständig auswerteten. Beide sind bis heute in der ärztlichen Fortbildung aktiv und sprechen regelmäßig zu allergologischen Themen.